Wenn die Trauer zurückkommt

Illustration zu meinem Trauerjahr
Der Schock und die erste Welle der Trauer

Die ersten Wochen nach dem Tod meiner Mama war ich wie im Schockzustand. Ich habe immer wieder geweint, weil mich das Erlebte übermannt hat.

Es war, als würde mein ganzes System versuchen zu begreifen, was eigentlich passiert ist.

Die unerwartete Stärke in der Trauer

Und dann kam plötzlich etwas, dass ich nicht erwartet hatte.

Ich hatte das Gefühl: Mir kann nichts mehr passieren. Das Schlimmste ist bereits geschehen.

Da war eine innere Ruhe. Eine Kraft, die ich mir selbst nicht erklären konnte.

Eine Freundin fragte mich einmal, woher ich diese Stärke nehme.
Ich wusste es selbst nicht genau. Meine Erklärung war, dass mir meine Mama von oben zuschaut und mir Kraft sendet.

Gemeinsam durch die Feiertage
ohne einen geliebten Menschen

Als Familie haben wir die ersten Feiertage miteinander überstanden. Weihnachten ohne sie. Und trotzdem haben wir versucht, es schön zu gestalten. Und es ist uns gelungen.

Es zeigt auch, dass Trauer und schöne Momente gleichzeitig existieren dürfen.

… und dann dachte ich,
ich bin schon über den Berg

Mit der Zeit schleicht sich der Alltag wieder ein. Ich hatte das Gefühl, wieder stabiler zu werden. Ich dachte, ich hätte den schwersten Teil im Trauerprozess hinter mir. Und sowohl von außen als auch innerlich wirkte es wahrscheinlich so.

Aber dann kam sie zurück. Diese Leere. Dieses schwarze Loch.
Gedanken, Gefühle und Bilder, die noch keinen Platz gefunden hatten.

Ich habe mich gefragt: Warum jetzt?
Es ist doch schon so lange her. Sollte es nicht längst besser sein?

Es war mir unangenehm, mir selbst einzugestehen, dass es mir wieder schlecht ging. In mir liefen Sätze ab wie:
„Jetzt müsste es doch wieder gut sein.“
„Du hattest genug Zeit zu trauern.“

Ich hatte das Gefühl, etwas falsch zu machen. Als wäre meine Trauer nicht mehr berechtigt.

Das, was es besonders schwer gemacht hat: Ich habe gesehen, wie alle in meiner Familie ihren Alltag weitergelebt haben. Nur mein Papa und ich hatten das Gefühl, festzustecken. Als wären wir in einer Schleife gefangen.

Wenn der Körper in der Trauer reagiert

Schon vor dem Tod meiner Mama hatte ich gelegentlich Panikattacken. Nach so langer Zeit kamen sie wieder zurück. Das war für mich ein deutliches Zeichen, dass etwas in mir aus dem Gleichgewicht geraten war.

Der innere Druck wurde irgendwann zu groß. Ich habe gemerkt, dass ich Unterstützung brauche und habe mich auf die Suche nach einem Therapieplatz gemacht.

Die Verhaltenstherapie war eine wichtige Hilfe. Nicht, weil alles sofort leichter wurde, sondern weil ich begonnen habe zu verstehen, was in mir passiert.

Trotzdem habe ich lange an etwas festgehalten: an meiner inneren Mauer.

Ich hatte Angst, sie einzureißen. Die Angst, dass, wenn jemand wirklich dahinter schaut, alles zusammenbricht. Dass der Schmerz mich überrollt und ich ihn nicht mehr halten kann.

Ich habe gelernt, dass sich nicht alles über den Kopf steuern lässt. Ich kann noch so sehr versuchen, die Kontrolle zu behalten – irgendwann übernimmt der Körper die Regie.
Der Körper zeigt sehr klar, wenn etwas gesehen werden möchte. Heute empfinde ich das auch als Geschenk. Es ist wie ein Stimmungsbarometer für mich geworden, an dem ich mich orientieren kann.

Jeder Trauerprozess ist individuell

Mit der Zeit ist mir klar geworden, dass es keinen richtigen oder falschen Weg gibt, zu trauern. Manche Menschen spüren ihre Trauer tief in der Seele, andere eher im Körper.

Manche werden wütend, unruhig oder sogar verbittert. Andere ziehen sich zurück. Und wieder andere können ihre Gefühle zulassen und ihren Weg Schritt für Schritt weitergehen.

Ich glaube, niemand entkommt der Trauer. Aber jeder geht anders mit ihr um, geprägt von dem, was er gelernt hat und was ihm im bisherigen Leben geholfen hat.

Heute weiß ich auch, dass Trauer kein geradliniger Prozess ist.
Trauer verläuft in Wellen. Manchmal ruhig, manchmal überwältigend.
Und das, was sich wie ein Rückfall in der Trauer anfühlt, ist oft einfach ein Teil dieses Weges.

Geh deinen eigenen Weg in der Trauer

Vielleicht fühlt sich Trauer manchmal so an, als würde sie einen zurückwerfen.
Als würde alles von vorne beginnen. Doch vielleicht gehört genau das dazu.

Alles, was sich zeigt, darf da sein. Egal, was das Außen denkt.

Niemand steckt in deinem Körper und kennt deine Seele so wie du selbst.
Gefühle kommen nicht ohne Grund. Und sie gehen auch wieder in Ihrem eigenen Tempo.


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