
Die Geschichte mit dem Verlust meiner Mama ist nun erzählt und ich weiß ziemlich genau, was sie sagen würde, wenn sie noch da wäre.
Sie wäre gar nicht begeistert.
Weil ich ihr eine Bühne gegeben habe, die sie nie haben wollte.
Weil ich ihren letzten Weg beschrieben habe, etwas, das eigentlich sehr privat ist.
Und trotzdem war es mir wichtig, das zu teilen.
Weil ich fest daran glaube, dass es anderen helfen kann.
Es geht nicht darum, Antworten zu liefern, sondern Mut zu machen, sich der eigenen Trauer zuzuwenden, dem Thema Tod nicht auszuweichen und Gefühlen Raum zu geben, unabhängig davon, was andere darüber denken.
Ob man als stark oder als schwach gilt.
Ob man verstanden wird oder nicht.
Am Ende spielt das keine Rolle.
Was zählt, ist Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und zu fühlen, was da ist.
Den eigenen Weg zu gehen und sich selbst dabei nicht zu verlieren.
Wenn Trauer alles verändert
Der Verlust meiner Mama hat mein Leben verändert, auf eine Weise, die ich vorher nicht greifen konnte. Nichts war mehr selbstverständlich und vieles nicht mehr leicht.
Trauer kam auch nicht in klaren Phasen. Sie hatte keinen Plan und war einfach da, wann immer sie wollte. Und genau das habe ich erst mit der Zeit verstanden: Trauer lässt sich nicht „richtig“ machen.
Wie ich zu Trauer-Tipps stehe
Ich habe immer wieder gut gemeinte Ratschläge für Aktivitäten gehört und Floskeln, die mich zum Weitermachen animieren sollten:
„Die Zeit heilt alle Wunden.“
„Du musst nach vorne schauen.“
„Geh doch mal raus und lenk dich ab.“
„Denk doch an was anderes.“
Doch vieles davon hat sich nicht hilfreich angefühlt.
Im Gegenteil: Es hat Druck gemacht.
Es hat mir das Gefühl vermittelt, ich müsste etwas schaffen, wofür ich noch gar nicht bereit war.
Heute glaube ich: Es gibt keinen Heilsbringer.
Keinen Moment, in dem plötzlich alles wieder gut ist.
Keine Methode, die den Schmerz einfach verschwinden lässt.
Trauer kommt in Wellen und das ist normal. Die schweren Momente kommen wieder. Manchmal unerwartet und mit voller Wucht. Dann gibt es Phasen, in denen sie leiser wird und verschwindet. Trauer ist kein geradliniger Weg.
Was bleibt
Mit der Zeit hat sich mein Blick auf das Erlebte verändert.
Ich spüre meine Mama auch anders.
In Dingen, die ich tue.
In Gedanken, die plötzlich auftauchen.
In Seiten an mir, die ich früher so nicht gesehen habe.
Zum Beispiel im Garten: Früher hätte ich nie gedacht, dass ich dort einmal so viel Ruhe finde. Heute fühlt es sich richtig und entspannend an, als würde ein Teil von ihr darin weiterleben.
Vielleicht ist genau das ein Teil dieses Kreislaufs: Dass etwas bleibt, ohne dass wir es festhalten müssen oder beschließen, etwas weiterführen zu müssen. Es passiert einfach.
Wir tragen Menschen in uns weiter, in dem was uns geprägt hat.
Mein persönlicher Umgang mit Trauer
Für mich bedeutet Trauer, Menschen weiterleben zu lassen.
Indem ich an sie denke und über Erinnerungen lächle.
Indem ich sie würdige, auch für das, was schwer war.
Und manchmal einfach auch weine.
Meine Mama war ein besonderer Mensch. Still auf ihre eigene Art und jemand, der leise, aber tief Spuren hinterlassen hat.
Es gehört auch dazu, alles anzunehmen, was sie mir mitgegeben hat. Die leichten Seiten und die schwierigen, denn beides hat mich geformt.
Was mir wirklich geholfen hat
Ehrliche Präsenz
Menschen ohne große Worte
Menschen, die einfach ohne Druck da waren.
Die zugehört haben.
Die meine Schwere ausgehalten haben.
Die geblieben sind, auch dann, wenn ich selbst kaum Kraft hatte.
Eine Umarmung.
Ein stilles Zusammensitzen.
Jemand, der nicht versucht, etwas „richtig“ zu machen.
Und ein Teil lag auch bei mir:
Gefühle zuzulassen.
Sie nicht wegzudrücken.
Sondern ihnen Raum zu geben.
So, wie sie kommen.
Jeder Mensch trauert anders
Es gibt unzählige Wege, mit Trauer umzugehen und ich glaube:
Jeder Mensch darf und muss seinen eigenen Weg finden.
Trauer wird man nicht einfach los, man lebt mit ihr.
Aus Schmerz wird irgendwann Trost, weil wir lernen, den Schmerz anzunehmen. Weil wir lernen, weiterzugehen, mit allem was war und allem, was bleibt. Weil die Menschen, die wir verloren haben, auf eine leise Art in uns weiterleben.
Vielleicht bist du gerade selbst auf der Suche nach deinem Weg und ich hoffe, dass du in meinen Worten etwas findest, das dich ein kleines Stück begleitet und dir in der schweren Zeit ein wenig Entlastung schenkt.


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