Der Abschied vom gemeinsamen Altwerden

Ich dachte, wir werden zusammen alt

Für mich war klar: Dieser Mann ist der Vater meiner Kinder. Mit diesem Mann wollte ich alt werden. Ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie unser gemeinsames Leben einmal aussehen würde. Wir würden unser Kind aufwachsen sehen, gemeinsam durch gute und schlechte Zeiten gehen und irgendwann vielleicht am selben Tisch sitzen und auf unser Leben zurückblicken. Und dann wären da unsere Enkelkinder. Bei denen würden wir wahrscheinlich alles erlauben, was wir während unserer eigenen Elternschaft nicht erlauben durften. Wir würden ihnen beim Spielen zusehen und uns darüber freuen, dass wir diese Zeit noch erleben dürfen.

Kitsch vom Feinsten. Aber genauso unglaublich friedlich habe ich mir das gewünscht und vorgestellt. Es war so ein schönes Bild und ich habe nicht darüber nachgedacht, dass es vielleicht auch anders kommen könnte.

Dann kam das Leben dazwischen

Es gab nicht diesen einen Moment, an dem plötzlich alles anders war. Es waren viele kleine Dinge, die sich irgendwann zu etwas Größerem entwickelt haben. Streitigkeiten, Verletzungen und Erfahrungen gingen tiefer als man vielleicht zunächst wahrhaben wollte. Manche Dinge lassen sich nicht einfach aus der Welt schaffen, nur weil man sich wieder verträgt. Sie bleiben, kommen beim nächsten Streit wieder hoch und stehen unausgesprochen zwischen zwei Menschen.

Mit der Zeit wurden auch unsere Gespräche weniger. Bestimmte Themen endeten immer wieder im Streit, also vermieden wir das Reden sofort. Das erschien uns als einfachste Lösung, um den Alltag in Ruhe zu schaffen, ohne über jede Kleinigkeit diskutieren zu müssen. Doch je mehr sich jeder in sein Schneckenhaus zurückzog, desto größer wurde die Kluft mit so vielen ungesagten Dingen, die vor sich hin schwelten.

Unsere Beziehung geriet in eine Abwärtsspirale, aus der wir gemeinsam nicht mehr herauskamen. Irgendwann stand die Frage im Raum, wie lange ich noch festhalten wollte, was sich längst nicht mehr so anfühlte wie früher.

Eine Zukunft, die es nicht mehr geben wird

Sich von meiner Vorstellung von uns als Traumpaar und als Traumfamilie zu verabschieden war sehr schmerzhaft. Denn ich musste nicht nur die Beziehung loslassen. Ich musste auch akzeptieren, dass mein Leben ganz anders aussehen würde, als ich es mir einmal ausgemalt hatte. Ich hatte mich auf etwas gefreut, das noch gar nicht stattgefunden hatte. Auf gemeinsame Jahre, auf das Älterwerden, auf diese vermeintlich selbstverständliche Zukunft. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass ich einmal über unsere Beziehung in der Vergangenheit sprechen würde.

Vielleicht ist das einer der schwierigsten Abschiede überhaupt: zu akzeptieren, dass der Mensch, mit dem man alt werden wollte, nicht der Mensch sein wird, mit dem man alt wird.

Es schmerzt und dieser Schmerz begleitet mich im Alltag. Bis auch dieser Zustand irgendwann wieder zur Normalität und ein Teil meiner eigenen Geschichte wird, aus der neben der Trauer um die verlorene gemeinsame Zukunft wieder Wertvolles entstehen kann.


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