Der Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem Leistung zählt:
Termine, Meetings, Verantwortung.
Doch was passiert, wenn mitten im Alltag plötzlich alles stillsteht, weil ein geliebter Mensch gestorben ist?
Trauer macht keinen Halt vor Bürotüren. Und trotzdem fühlt es sich oft so an, als müsste man genau dort besonders stark sein und sich nichts anmerken lassen. Innerlich wird das Erlebte schnell zur Seite geschoben. Es gehört irgendwie dazu, aber jetzt muss es doch wieder weitergehen.
Zurückkommen ins Büro
Nach nur einer Woche wieder im Büro zu stehen, fühlte sich für mich unwirklich an. Alles nahm seinen gewohnten Lauf, nur ich war innerlich noch im Schockzustand. Für mich war es trotzdem wichtig, in den Alltag zurückzukehren. Ich hatte das Gefühl, dass mich alles andere aus der Bahn werfen würde.
Und dann war da diese Geste, die mir so viel Last genommen hat.
Der damalige Institutsleiter kam auf mich zu und fragte, wie es mir geht und ob er etwas tun könne. Ich sagte nur: „Danke, aber ich möchte über nichts reden. Ich wünsche mir nur ein bisschen Normalität.“
Er nahm mich in den Arm und sagte, ich könne kommen und gehen, wann ich wolle. Wenn ich mir noch ein paar Wochen Zeit nehmen möchte, sei das völlig in Ordnung. Es gäbe keinen Druck.
Und genau das hat mir den Druck genommen.
Manchmal ist es genau das, was wir brauchen:
keine großen Worte, sondern echtes Mitgefühl.
Der erste Tag zurück im Team
Auch meine engsten Kolleginnen und Kollegen haben mich aufgefangen. Sie warteten mit offenen Armen und einem Lächeln auf mich.
An meinem ersten Arbeitstag stand eine Sonnenblume auf meinem Tisch, daneben kleine Papiervögel als leises Zeichen des Trosts. Und ein ehrlich gemeintes: „Schön, dass du wieder da bist.“
Diese kleinen Aufmerksamkeiten haben mir gezeigt, dass ich gebraucht und gesehen werde. Und genau das kann in der Trauer so unendlich viel bedeuten.
Wenn niemand so recht weiß, wie…
Doch nicht jede Begegnung war leicht. Es gab Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, die mir nicht so nahestanden und die sich unangenehm angefühlt haben. Momente, in denen ich das Gefühl hatte, ich müsste die anderen an die Hand nehmen und ihnen erklären, wie sie mit mir umgehen sollen.
Irgendwann habe ich begonnen, klar zu sagen:
„Ich möchte nicht darüber sprechen.“
Das hat mir geholfen, mich abzugrenzen und mich selbst ein Stück zu schützen.
Denn Trauer verunsichert – nicht nur uns selbst, sondern auch unser Umfeld.
Und jeder trägt die leise Sorge in sich: Mache ich es richtig?
Eine Kollegin versuchte damals, Nähe zu mir herzustellen, indem sie mir von der Beerdigung ihrer Nachbarin erzählte. Ich weiß, dass es gut gemeint war und gleichzeitig fühlte es sich für mich nach diesen Wochen des Bangens und Schmerzes furchtbar herzlos an.
Aus meiner damaligen Perspektive als Trauernde würde ich heute sagen:
Manchmal ist es hilfreicher, nichts zu sagen, als etwas zu sagen, das nicht wirklich passt. Und gleichzeitig weiß ich: Es ist nicht einfach.
Bei manchen Menschen wüsste ich sofort, wie ich ihnen begegnen kann. Bei anderen wäre auch ich genauso unsicher. Denn jeder trauert anders. Jeder bringt seine eigenen Gedanken, Gefühle und Erfahrungen mit.
Was mir aber damals immer klar war: Es kam von Herzen.
Manchmal genau das, was ich gebraucht habe.
Manchmal unbeholfen. Manchmal unpassend.
Aber es kam etwas. Und das ist schon viel wert.
Zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit
Im Job wird trotzdem oft erwartet, dass wir funktionieren. Doch Trauer folgt keinem Zeitplan. Man ist gleichzeitig stark und zerbrechlich. Konzentriert und doch immer wieder abgelenkt.
Vielleicht geht es genau darum, dass wir beginnen, auch im Arbeitsleben Raum für Trauer zu lassen. Für Mitgefühl. Für Menschlichkeit. Für echtes Dasein.
Wenn du gerade trauerst
Vielleicht erkennst du dich in diesen Zeilen wieder. Vielleicht sitzt du gerade an deinem Arbeitsplatz und weißt innerlich kaum, wie du den Tag schaffen sollst.
Dann darfst du wissen: Du musst nicht funktionieren.
Du darfst fühlen. Alles in deinem Tempo.
Es gibt vielleicht auch bei dir Menschen am Arbeitsplatz, die dir guttun –
die dich sehen, ohne viele Worte, denen du dich anvertrauen kannst.
Und vielleicht hilft es, dir kleine Inseln im Alltag zu schaffen.
Einen kurzen Moment an der frischen Luft.
Ein Gespräch mit einem Menschen, bei dem du nichts erklären musst.
Oder einfach ein paar Minuten, in denen du still sein darfst oder dich zurückziehst.
Trauer braucht keinen perfekten Raum. Nur einen ehrlichen. Und manchmal beginnt dieser Raum genau dort, wo du dich selbst wahrnimmst und spürst, was du gerade brauchst.

