Zwischen Hoffen und Loslassen – Meine Mama im Koma

Als plötzlich nichts mehr sicher war

Als das Aneurysma meiner Mama platzte, begann für uns eine Zeit, die sich kaum in Worte fassen lässt. Eine Zeit, in der nichts mehr sicher war und jeder Tag neue Hoffnung oder neue Angst brachte. Eine Zeit auf der Intensivstation, zwischen Maschinen, piependen Monitoren und der ständigen Frage: Wird sie wieder aufwachen?

Wenn ich heute an diese Wochen denke, muss ich oft an den Film The Descendants denken. Dort wird sehr ehrlich gezeigt, wie ein Mensch im Koma aussieht und mit welchen Gefühlen und Entscheidungen die Angehörigen konfrontiert werden. Vor allem aber zeigt der Film diese innere Zerrissenheit zwischen Hoffnung und der Angst vor dem Abschied. Genau so fühlte es sich auch für uns an.

Jeden Tag fuhr ich ins Krankenhaus, in der Hoffnung, Mama würde die Augen öffnen. Man sucht nach kleinsten Zeichen: ein Zucken, eine Veränderung der Atmung, eine Bewegung der Hand. Und während man dort sitzt, scheint die Welt draußen einfach weiterzulaufen.

Es gab Tage, an denen ich zur Arbeit ging, als wäre alles normal. Gespräche, Termine, Alltag. Und gleichzeitig wusste ich: Meine Mama liegt auf der Intensivstation und kämpft ums Überleben. Man funktioniert irgendwie und fühlt sich trotzdem leer.

Dann wieder gab es Tage, an denen nichts ging. Tage, an denen jede Kraft fehlte. Tage voller Angst und Zweifel.

Zwischen Hoffnung und Abschied

Am Schwersten war die innere Zerrissenheit. Man schwankt ständig zwischen Hoffen und Loslassen. Zwischen dem festen Glauben, dass doch noch alles gut wird, und der Angst, sich von einem geliebten Menschen verabschieden zu müssen. Man ertappt sich dabei, schon über eine Todesanzeige nachzudenken und fühlt sich sofort wie ein Verräter. Als würde man den Menschen schon aufgeben, obwohl er noch kämpft.

Und am nächsten Tag sitzt man wieder am Bett und denkt: Sie schafft das. Sie muss es schaffen.

Diese Zeit hat mir gezeigt, wie widersprüchlich Gefühle sein dürfen, wenn man um einen geliebten Menschen bangt. Hoffnung und Verzweiflung können gleichzeitig existieren. Stärke und völlige Erschöpfung ebenso.

Heute weiß ich: Alles, was ich damals gefühlt habe, war normal. Trauer beginnt oft lange, bevor ein Mensch geht. Und Hoffnung kann selbst dann noch da sein, wenn man kaum noch Kraft hat.

Für alle, die gerade hoffen und bangen

Vielleicht liest das hier jemand, der gerade selbst täglich auf einer Intensivstation sitzt oder zwischen Hoffen und Bangen lebt. Dann möchte ich sagen: Du bist mit diesen Gefühlen nicht allein. Und egal, was du empfindest – es darf da sein.

Manchmal ist es schon genug, einfach weiterzugehen. Von einem Tag zum nächsten.


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